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SEITENspiegler 02/15: Jubiläen, Namen und Ausgrabungen

Die Stadt Leipzig und der Merseburger Dom – zwei große Jubiläen
In diesem Jahr feiert die Stadt Leipzig ein großes Fest: 1000 Jahre Ersterwähnung. Am Handelskreuz der Via Regia bestand eine Burg und eine vorgelagerte Siedlung, aus welcher sich die heutige Messestadt entwickelte. Die Ersterwähnung findet sich in der umfassenden Chronik des Bischofs Thietmar von Merseburg. Und eben jener legte am 18. Mai 1015 auch den Grundstein für den Merseburger Dom. Anlässlich dieser denkwürdigen Anlässe findet in beiden Orten eine Vielzahl an Veranstaltungen statt. So sind beispielsweise Ausstellungen, Konzerte und auch Märkte geplant.

Das Ding aus dem Sumpf
Thietmar von Merseburg bezeichnete, wie auch seine Kollegen des 11. und 12. Jahrhunderts, die heutige Stadt Leipzig mit Namen wie Libzi, Libiz oder Lipczk. Allgemein bekannt ist, dass die Benennung der Siedlung mit den in der Umgebung anzutreffenden Lindenbäumen einher ging. Damals, als das Gebiet noch slawisch war. Das Stadtmagazin kreuzer hat sich mit diversen Mythen der Lindenstadt beschäftigt und befasst sich dabei auch mit dem Stadtnamen.

Glück mit dem Pech im Tagebauvorfeld Nochten
Die deutsche Wikipedia weiß, dass Nochten in der Oberlausitz ein Straßenangerdorf ist, welches im Norden und Westen vom Tagebau umgeben ist. In diesem Gebiet gibt es seit 1993 immer wieder die Möglichkeit, große Gebiete archäologisch zu untersuchen und so Erkenntnisse aus tausenden Jahren Siedlungsgeschichte zu gewinnen. Der Energiekonzern Vattenfall möchte den Tagebau vor Ort ausweiten, weshalb das Sächsische Landesamt für Archäologie im entsprechenden Gebiet vorab buddelt. Im festgelegten Areal stießen die Archäologen auf eine Anlage, anhand dieser die komplette Produktion von Pech im 14 Jahrhundert nachvollzogen werden kann.

Handwerk im Hinterhof
In Görlitz konnte das Sächsische Landesamt für Archäologie einen vermutlich ebenfalls gewerblich genutzten Heizkanal aus dem 14. Jahrhundert finden. Der geplante Bau eines Mehrfamilienhauses brachte die Möglichkeit der Grabung, bei welcher man unter anderem den mit Steinen abgedeckten Wärmekanal fand.

 
 

SEITENspiegler 01/15: Bergbau, Darstellungen und Archäologie

Auf Silbersuche
…heißt eines der neuen Videos, die im Zuge des ArchaeoMontan- bzw. des Ziel3-Projektes entstanden sind. Ziel3 möchte dabei die Zusammenarbeit zwischen dem Freistaat Sachsen und der Tschechischen Republik stärken – ArchaeoMontan beschäftigt sich darin mit dem mittelalterlichen Bergbau in Sachsen und Böhmen. Dieser wurde für die heutige erzgebirgische Grenzregion äußerst bedeutsam, nachdem 1168 in Christiansdorf (heute zur Stadt Freiberg gehörend) Silbererz gefunden wurde. Aus allen Richtungen kamen bald Bergarbeiter in die Gegend des damaligen Miriquidi, der im Zuge der stattfindenden Ostkolonisation urbar gemacht werden sollte. Neben Auf Silbersuche gibt es beispielsweise auch ein Erklärvideo zur Dendrochronologie (in der oben verlinkten Filmübersicht ist die tschechische Version eingebettet). Einen Blick sollte man auf jeden Fall darauf werfen!

Das lange Interview zum Mittelalter: “Das ist viel mehr als ein Hobby”
Das Leipziger Studentenradio mephisto 97.6 hat in seiner Reihe Das lange Interview diesmal verschiedene Facetten der mittelalterlichen Darstellung vorgestellt. Dafür liegt besonderer Augenmerk auf Schwertkampf, LARP und die Musik. Drei Interviewpartner erzählen von ihren drei doch unterschiedlichen Faszinationen im mittelalterlichen Kontext und worin sie den Reiz sehen, eine möglichst genaue Ausrüstung zu erarbeiten, historisch(er)es Rollenspiel zu betreiben und sich auf die Suche nach dem mittelalterlichen Klang zu begeben.

Schätze des Südwestens
Kurz vor und zu Weihnachten hat das SWR Fernsehen seine zweiteilige Dokumentation über archäologische Schätze aus dem südwestlichen Teil der Bundesrepublik ausgestrahlt. In 2x 90 Minuten werden die Geschichten verschiedenstenster Fund(stück)en erzählt und dabei die Möglichkeiten der Informationgewinnung vorgestellt. Das Sprektrum reicht dabei von römischem Wein, einer wieder zusammengesetzten Holzfigur, Münzhortfunden bis hin zu Schwertern, Gebeinen und Kronen. Viele Detailaufnahmen runden das Bild der Exponate ab. Moderator Dennis Wilms kommt zwar immer auf Indiana Jones zu sprechen, verdeutlicht dabei aber, dass die Wirklichkeit doch immer eine andere ist. Dabei wirkt er keineswegs desinteressiert oder fehl am Platze. Im Gegenteil. Und das ist es auch, was die Dokumentation ausstahlt: Sie ist nah dran an den Wissenschaftlern, an den Objekten und verstrickt sich nicht in billig produziertem “Reenactment-“Theater.

 
 

Ein guot selig ior

Mit diesen Grußworten wohl schickten sich Nachbarn im Mittelalter ins neue Jahr. Man erkennt recht einfach die Verbindung zu unseren heutigen Wünschen nach einem gesunden bzw. frohen neuen Jahr. In der Kurzform auch einfach: Frohes Neues!

Dass sich Grußworte derartig verkürzen, ist nicht nur beim Neujahrsgruß zu beobachten. So wurde beispielsweise aus dem spätmittelalterlichen Sei gegrüßt im Namen Gottes im Laufe der Zeit ein Grüß Gott. Ebenso verflachten auch Verbschiedungen: Ab dem 14. Jahrhundert setzte sich Ade als Kurzform von Adieu durch, welches wiederrum auf Gott bewahre dich zurückging. Aus Adieu formte sich auch das beliebte Tschüss. Lebewohl kam erst im 16. Jahrhundert als Lehnsübersetzung von vale auf, welches die Humanisten verwendeten. Gehab dich wohl! ist hingegen die Verkürzung des Abschiedsgrußes, welchen Bauern öffentlich sprechen mussten, wenn sie aus ihrem Dorf wegzogen: ir herren got gesegen euch, ich will enwegk.

Der Gruß war im Mittelalter keine reine Höflichkeitsform, sondern die Bestätigung des Ansehens des Gegrüßten. Allerdings bestand dadurch auch die Gefahr, dass man dadurch auch übertriebene Selbstinszenierungen (etwa durch allgemeines Verhalten, entsprechender Kleidung, und den Einsatz von Sprache) bestätigte und anerkannte. Der Gruß war also auch eine Grundlage der Friedenssicherung, denn die Verweigerung des Grußes bedeutete offene Feindschaft – einen Angriff auf die Ehre, der (gern auch kämpferisch) beantwortet werden musste. Aus diesem Umfeld stammt auch die Geste des Handschuhwurfs, die zum Zweikampf auf Leben und Tod aufforderte.

Gesten waren für die mittelalterliche Sprache das wichtigste Hilfsmittel. Der Handschlag war im Mittelalter als Gruß noch unbekannt, tauchte jedoch als Rechtshandlung beim Treueversprechen auf. Erst ab dem 16. Jahrhundert häuften sich Handschläge – allerdings als Vertragsabschluss bei Wein- und Bierverkäufen. Willkommene Gäste begrüßte man hingegen das gesamte Mittelalter hindurch mit offenen Armen. Das sprichwörtliche Hutziehen ist als Gruß zwar ab dem 13. Jahrhundert belegt, allerdings als höfisches Zeremonieverhalten. Erst in früher Neuzeit wurde das Absetzen des Hutes zur allgemeinen Sitte. Durch das Hutziehen wurde außerdem die Rangordnung unterstrichen: Der Niedere hat den Hut zuerst zu ziehen. Aus diesem Grund sind Kirchen (von Männern) ohne Hut zu betreten.

In diesem Sinne: Ein guot selig ior!

Quellen:
Ernst Schubert: Alltag im Mittelalter
Gerhard Wagner: Schwein gehabt! Redewendungen des Mittelalters

 

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Kleine Übersicht zum Kinderspielzeug

Jetzt in der Vorweihnachtszeit sind wir alle ja damit beschäftigt, die (letzten) Geschenke für’s geheiligte Fest zusammenzusuchen. Es traf sich, dass ich bei der Lektüre des Buchs Alltag im Mittelalter von Ernst Schubert über das ein oder andere Spielzeug stolperte. So kam mir die Idee dieses kleinen Rundblicks. Vielleicht kommt dem Ein oder Anderen noch eine Idee, was man den Kindern beim Familienbesuch zu Weihnachten mitbringen kann. Wobei ich die Spielzeuge nur als Vorlage verstehen möchte, da mir die hygienischen Bedingungen zwischen tierischen Körperteilen und Kleinkindern nicht ganz geheuer wären… ;)

Für Säuglinge kannte man bereits Beißringe, die aus getrockneten Gänsehälsen gemacht waren. Bereits in der Antike bekamen Säuglinge auch Rasseln und Klappern. Die Rasseln wurden aus abgeschnittenen Geflügelafter gefertigt, die man zu einem Ring formte und mit ineinander gesteckten Enden trocknete. Steine sorgten im Inneren des so entstandenen Ringes für die entsprechenden Rasselgeräusche. Sogenannte Schnurrer dürften den Menschen ebenfalls viel Freude bereitet haben. Zur Herstellung wurde der (hintere) Mittelfußknochen des Schweins mit einem Loch versehen. Durch dieses wurde ein endloses Band gefädelt und die Enden in der jeweiligen Hand gehalten, sodass es aufgespannt war. Drehte man nun den Knochen in die eine Richtung, zog sich das Band zu und rotierte, sobald man es losließ bzw. strammzog, in die andere Richtung. Dabei entstanden windähnliche Geräusche.

Schon eher wäre ich da für Kegel und Würfel aus Naturmaterialien. Seit der Antike werden diese etwa aus dem Sprunggelenk des Schafes oder aus den Zehenknochen vom Rind geschnitzt. Aus einer Schweineblase konnte man nicht nur Blasinstrumente bauen, sondern auch einfache Bälle fertigen. Füllt man diese mit Erbsen, machen sie dann auch ein wunderbares Rasselgeräusch. Im Hochmittelalter erschienen schließlich kleine Keramikfiguren (etwa als Pferde), die ggf. auch bunt glasiert waren. Sie traten als Massenware auf, wie auch etwa Murmeln, die ein Nebenprodukt der Töpferei darstellten. Keramik fand auch als Puppengeschirr Verwendung. Ebenso als Kopfmaterial für die meist hölzernen Puppen der Mädchen.

Holz ist ein äußerst vielseitiger Rohstoff, sodass freilich neben Puppen und Pferdeminiaturen viele Holzspiele und -spielzeuge hergestellt wurden: In der Nord- und Ostseeregion – vereinzelt auch an Flüssen – konnte man beispielsweise schwimmfähige Holzminiaturschiffe finden. Sie waren Vereinfachungen realer Schiffe und konnten durchaus Zubehör wie etwa Messinganker oder Schiffsmasten haben. Ab dem 15. Jahrhundert sind auch Mehrmaster zu finden, wie etwa die Funde aus Lübeck zeigen. Da im Mittelalter Kinder ja noch als „kleine Erwachsene“ galten, wurde ihnen auch ein wichtiges persönliches Ausrüstungsstück zugestanden: ein Messer. Dieses war aber – angesichts der enormen Verletzungsgefahr echter Klingen eine Holzausführung. Ob Holzschwerter hingegen ausschließlich für Kinder gedacht waren, darf bezweifelt werden. Jedoch legen die unterschiedlichsten Größen mit ggf. kurzen Griffen und geringen Griffdurchmessern nahe, dass die Holzwaffen nicht nur Übungsschwerte für Erwachsene waren, sondern ein normales Spielzeug gewesen sein dürften. In höheren Kreisen konnten auch Holzdolche zur Kinderausstattung gehören.

In den höheren Kreisen konnte man sich ohnehin mehr leisten – auch für die Kinder: während in ärmeren Familien die Kinder bis zum siebten Lebensjahr mit im Bett ihrer Mutter schliefen, konnten sich Familien besserer Stände auch eine Wiege für das Kind leisten. Ebenso war dann auch Geld für kostbares Spielzeug (etwa Messing- oder Kupfertiere oder bunt bemalte Steckenpferde) vorhanden. Die allgemeine Formvielfalt ist vergleichsweise im Mittelalter aber vergleichsweise noch gering. Erst nach 1500 entwickelten sich viele fantasievolle Formen für wunderbare(re)s Spielzeug.

Quellen:
Ernst Schubert: Alltag im Mittelalter, S. 223
Doris Fischer: Mittelalter selbst erleben!, S. 82ff
Tempus vivit! Bibliothek: Spielzeug im Mittelalter

 
 

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SEITENspiegler 05/14: Bücher und eine Tolkien-Doku

The World’s 10 Most Expensive Books Ever Sold // Das sind die sieben teuersten Bücher der Welt
Sieben Meere, sieben Siegel, sieben Bücher. Das könnte ein Gedankte gewesen sein, als Die Welt die Forbes-Liste anfasste und mit Details anreicherte. Oder aber, die Maximalanzahl an Buchstaben wäre mit 10 Büchern drastisch überschritten gewesen. Oder es klang eben zu sehr nach “Top Ten”. Lange Rede, kurzer Sinn: Das amerikanische Wirtschaftsmagazin macht gerne Listen. Mal geht es um Reichtum und Einfluss irgendwelcher Menschen, dann wieder um die reichsten fiktionalen Charaktere, und diesmal ging es um die zehn Bücher, die am teuersten irgendwohin verkauft worden sind. Die Welt hat sich nun die ersten sieben herausgepickt und die ein oder andere Info dazugeschrieben. Das Evangeliar Heinrichs des Löwen (um 1188) ist nur eine der mittelalterliche Schriften auf der Liste. Auf Platz 8 – und damit nicht mehr in der Welt-Aufzählung – befänden sich noch die Canterbury Tales aus dem Jahre 1387. Ein Blick darauf zu werfen, lohnt sich auf jeden Fall.

Der Utrechter Psalter als Bildquelle frühmittelalterlicher Alltagskultur
Hiltibold aus Graz, der gefühlte Endgegner des Campus Galli, berichtet nicht nur unheimlich gern über den eben genannte Baustellenpark, sondern schreibt als Wanderer zwischen Antike und Mittelalter mindestens ebenso häufig über interessante Dinge wie Blätter, die als römisches Backpapier gedient haben könnten, über antike Weinkocher oder über seine Erfahrungen mit Kaffee als Färbemittel. Außerdem verweist er regelmäßig auf tolle Texte, Video- und Hörbeiträge. Nun hat er in seinem Blog eine neue Reihe, deren Name oben, die Verlinkung führt zum ersten Teil, in der er sich mit dem Bogen beschäftigt. Ich halte sie für sehr wissens- und empfehlenswert, da auch die Art und Weise der Bilder den Psalter zu etwas ganz Besonderem machen! Vielleicht ersetzen sie ja eines Tages die omnipräsenten Malereien des Codex Manesse, wenn man irgendetwas mit Mittelalter illustrieren will?

Mehrteilige Tolkien-Doku auf ARTE
Diesen Dezember läuft bekannterweise der finale Teil der Hobbit-Trilogie in den Lichtspielhäusern dieser Welt an. Manche Kinos bieten anlässlich dazu Tripple-Features an, manch andere packen auch noch die Herr der Ringe-Filmchen obendrauf. Wieder andere Bewegtbildlieferanten nähern sich den Werken von J.R.R. Tolkien aus einer ganz anderen Richtung: der deutsch-französische Kulturkanal hebt beispielsweise eine fünfteilige Dokumentationsreihe ins Programm. In der ersten Folge besucht John Howe, einer der stilprägendsten Tolkien-Illustratoren, noch einmal verschiedene Drehorte auf Neuseeland. Außerdem soll auf Tolkiens Quellen aus dem Mittelalter eingegangen werden. Teil 1 wird am 30. November um 12 Uhr ausgestrahlt, weitere Sendedaten (auch die der weiten Folgen) hält der oben verlinkte Artikel von Herr der Ringe Film bereit.

 
 
 
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