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Ein guot selig ior

Mit diesen Grußworten wohl schickten sich Nachbarn im Mittelalter ins neue Jahr. Man erkennt recht einfach die Verbindung zu unseren heutigen Wünschen nach einem gesunden bzw. frohen neuen Jahr. In der Kurzform auch einfach: Frohes Neues!

Dass sich Grußworte derartig verkürzen, ist nicht nur beim Neujahrsgruß zu beobachten. So wurde beispielsweise aus dem spätmittelalterlichen Sei gegrüßt im Namen Gottes im Laufe der Zeit ein Grüß Gott. Ebenso verflachten auch Verbschiedungen: Ab dem 14. Jahrhundert setzte sich Ade als Kurzform von Adieu durch, welches wiederrum auf Gott bewahre dich zurückging. Aus Adieu formte sich auch das beliebte Tschüss. Lebewohl kam erst im 16. Jahrhundert als Lehnsübersetzung von vale auf, welches die Humanisten verwendeten. Gehab dich wohl! ist hingegen die Verkürzung des Abschiedsgrußes, welchen Bauern öffentlich sprechen mussten, wenn sie aus ihrem Dorf wegzogen: ir herren got gesegen euch, ich will enwegk.

Der Gruß war im Mittelalter keine reine Höflichkeitsform, sondern die Bestätigung des Ansehens des Gegrüßten. Allerdings bestand dadurch auch die Gefahr, dass man dadurch auch übertriebene Selbstinszenierungen (etwa durch allgemeines Verhalten, entsprechender Kleidung, und den Einsatz von Sprache) bestätigte und anerkannte. Der Gruß war also auch eine Grundlage der Friedenssicherung, denn die Verweigerung des Grußes bedeutete offene Feindschaft – einen Angriff auf die Ehre, der (gern auch kämpferisch) beantwortet werden musste. Aus diesem Umfeld stammt auch die Geste des Handschuhwurfs, die zum Zweikampf auf Leben und Tod aufforderte.

Gesten waren für die mittelalterliche Sprache das wichtigste Hilfsmittel. Der Handschlag war im Mittelalter als Gruß noch unbekannt, tauchte jedoch als Rechtshandlung beim Treueversprechen auf. Erst ab dem 16. Jahrhundert häuften sich Handschläge – allerdings als Vertragsabschluss bei Wein- und Bierverkäufen. Willkommene Gäste begrüßte man hingegen das gesamte Mittelalter hindurch mit offenen Armen. Das sprichwörtliche Hutziehen ist als Gruß zwar ab dem 13. Jahrhundert belegt, allerdings als höfisches Zeremonieverhalten. Erst in früher Neuzeit wurde das Absetzen des Hutes zur allgemeinen Sitte. Durch das Hutziehen wurde außerdem die Rangordnung unterstrichen: Der Niedere hat den Hut zuerst zu ziehen. Aus diesem Grund sind Kirchen (von Männern) ohne Hut zu betreten.

In diesem Sinne: Ein guot selig ior!

Quellen:
Ernst Schubert: Alltag im Mittelalter
Gerhard Wagner: Schwein gehabt! Redewendungen des Mittelalters

 

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Der Herold 05/14: Bücher und Manuskripte

Der_HeroldThe World’s 10 Most Expensive Books Ever Sold
// Das sind die sieben teuersten Bücher der Welt
Sieben Meere, sieben Siegel, sieben Bücher. Das könnte ein Gedankte gewesen sein, als Die Welt die Forbes-Liste anfasste und mit Details anreicherte. Oder aber, die Maximalanzahl an Buchstaben wäre mit 10 Büchern drastisch überschritten gewesen. Oder es klang eben zu sehr nach „Top Ten“. Lange Rede, kurzer Sinn: Das amerikanische Wirtschaftsmagazin macht gerne Listen. Mal geht es um Reichtum und Einfluss irgendwelcher Menschen, dann wieder um die reichsten fiktionalen Charaktere, und diesmal ging es um die zehn Bücher, die am teuersten irgendwohin verkauft worden sind. Die Welt hat sich nun die ersten sieben herausgepickt und die ein oder andere Info dazugeschrieben. Das Evangeliar Heinrichs des Löwen (um 1188) ist nur eine der mittelalterliche Schriften auf der Liste. Auf Platz 8 – und damit nicht mehr in der Welt-Aufzählung – befänden sich noch die Canterbury Tales aus dem Jahre 1387. Ein Blick darauf zu werfen, lohnt sich auf jeden Fall.

Der Utrechter Psalter als Bildquelle frühmittelalterlicher Alltagskultur
Hiltibold aus Graz, der gefühlte Endgegner des Campus Galli, berichtet nicht nur unheimlich gern über den eben genannte Baustellenpark, sondern schreibt als Wanderer zwischen Antike und Mittelalter mindestens ebenso häufig über interessante Dinge wie Blätter, die als römisches Backpapier gedient haben könnten, über antike Weinkocher oder über seine Erfahrungen mit Kaffee als Färbemittel. Außerdem verweist er regelmäßig auf tolle Texte, Video- und Hörbeiträge. Nun hat er in seinem Blog eine neue Reihe, deren Name oben, die Verlinkung führt zum ersten Teil, in der er sich mit dem Bogen beschäftigt. Ich halte sie für sehr wissens- und empfehlenswert, da auch die Art und Weise der Bilder den Psalter zu etwas ganz Besonderem machen! Vielleicht ersetzen sie ja eines Tages die omnipräsenten Malereien des Codex Manesse, wenn man irgendetwas mit Mittelalter illustrieren will?

 
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Verfasst von - 14. November 2014 in Der Herold

 

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