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Schlagwort-Archive: Kinder

Der Herold 06/16: Ein Brunnen, eine Wandmalerei und verfallende Rittergüter

IDer_Heroldm Mai gab es im Prinzip nichts Erwähnenswertes und dann spühlte sich eine ganze Reihe an interessanten Artikeln an Land. Da spreche noch jemand von medialen Sommeröchern! Von daher hat der aktuelle Herold etwas länger gedauert und wird auch noch nicht alles verkünden können, was er für erwähnenswert hält. Einiges wird sicherlich in Bälde nachgereicht werden.

Neuigkeit aus Sachsen

Brunnen aus Mittelalter in Pirna entdeckt | DNN
Bei Straßenbauarbeiten an der Dohnaischen Straße fand man einen für die Region um Pirna typischen Sandsteinbrunnen aus dem späten Mittelalter.

Schloss Wurzen: Experten wollen einzigartige Weinrankenmalerei retten | LVZ
Datiert werden die Wandmalereien der vermutlichen Trinkstube in die zweite Hälfte des 15. Jahrhunderts. In Wurzen bezeichnet man das als »frühe Renaissance«, doch man kann diesen Zeitraum auch noch als ausgehendes Spätmittelalter ansehen. Zunächst müssen nun die Farbschichten der jüngeren Geschichte von der Wand heruntergeholt und die bereits freiliegenden Farbflächen gesichert werden.

Hängepartie um Rittergut Kohren-Sahlis | MDR Aktuell
Im Januar gab es eine amüsante Zwangsversteigerung in Kohren-Sahlis (vgl. Der Herold 02/16): Der Eigentümer, der bekannte Rechtsextremist Karl-Heinz Hoffmann, legte Beschwerde gegen die »Enteignung« ein. Ein Mann aus Oberhausen erhielt für 160.000 Euro den Zuschlag, zeigte sich pressescheu, faselte etwas von »Konzentrationslager« und zahlte letztlich bis heute keinen Cent. Der Hauptgläubiger, der Abwasser-Zweckverband Whyratal, würde gern einen erneuten Anlauf unternehmen, um endlich einen zahlungsfähigen und -willigen Käufer zu finden. Aber…

Neuer Schlossherr gesucht: Wer kauft Rittergut Sachsenfeld? | Freie Presse
Ende Mai liefen in Dresden und Leipzig Auktionen für Rittergut in Sachsenfeld, einem Stadtteil des erzgebirgischen Schwarzenbergs. 185.000 Euro sollten geboten werden, doch niemand meldete Interesse an. Der jetzige Eigentümer möchte vor allem aus finanziellen Gründen das Schloss, dessen Geschichte bis ins 13. Jahrhundert zurückgeht und mit insgesamt 785m² Wohnfläche aufwartet, loswerden. Nicht zuletzt auch, weil es Uneinigkeit bezüglich der städtischen Förderung gibt.

Archäologische Funde am „Hotel Stadt Leipzig“ | Sächsische Zeitung

Landesämter zeigen Grabungsschätze in Wermsdorf | LVZ (25.06., Eröffnung)
Wermsdorfer Archäologie-Schau | LVZ (30.07., Zwischenbilanz)
Noch bis zum 28. August macht die Wanderausstellung „Sachsens Geschichte unterm Acker – Landwirte schützen Denkmale“ auf Schloss Hubertusburg in Wermsdorf zu sehen, danach etwa in Borna und auf der Messe „denkmal“ in Leipzig. (Vorläufiger Ortsüberblick als PDF). Inhaltlich zeigt die Ausstellung eine große Bandbreite an Bodendenkmäler, die unter den Feldern des Freistaates verborgen lagen und möchte jenen gegenüber sensibilisieren, die noch nicht zu Tage gefördert wurden. Einen Höhepunkt der Ausstellung stellt die Blockbergung eines brozezeitliches Urnengrabes dar.

Burg Mildenstein in Leisnig: Sonderschau rund ums Stille Örtchen | DAZ
Wie aus einer peinlichen Frage während diverser Schlossführungen eine Ausstellung wurde, beschreibt die Döbelner Allgemeine Zeitung und verweist (u.a. im Video) auf diverse Exponate eben jener Ausstellung, die bis zum 27. November noch auf der Burg Mildenstein zu sehen sein wird.
Weiterführendes zum Thema gibt es beispielsweise im Geheimen Kabinett Folgen #26 – Eine kurze Geschichte des Gestanks und #63 – Gemeinsam viel durchgemacht (über die römische Abortkultur). Leserliches zur Kulturgeschichte der Toilette gibt es u.a. auch beim Bayrischen Rundfunk und bei LexiTV (MDR).


Weitere Nachrichten

Kambodscha – Eine Millionenstadt des Mittelalters | DeutschlandRadio Kultur
Freilich nicht nur in Europa gab es im Mittelalter Hochkulturen! In Kambodscha fand man großangelegte Siedlungen, die in die Zeit des 9. bis 15. Jahrhunderts weisen. Via Luftscan fand man ehemalige Städte, die nunmehr unter dem Waldboden verschwunden und somit unbekannt waren. Im Zentrum befanden sich riesige hinduistische Tempelanlagen wie beispielsweise Angkor Wat im 12. Jahrhundert, die von umfangreichen Bewässerungskanälen bespeist wurden. (Nicht den Beitrag hören– bzw. Audio-Button übersehen! (Spielzeit: 4:40 Minuten))
Die Radiosendung Leonardo (WDR 5) hat zum Fund ein Interview geführt: Dschungel in Kambodscha – Forscher entdecken Stadt größer als München. (6:48 Minuten)

Hart am Licht | ZEIT ONLINE
»Seit Jahren versucht der Wissenschaftler [Gábor Horváth, Physik-Professor von der Budapester Eötvös-Universität] mit seinem Team in immer neuen Versuchen, die Legende der sogenannten Sonnensteine aufzuklären. Mit diesen Navigationshilfen soll es den Wikingern gelungen sein, bei bedecktem Himmel oder in der Dämmerung den Stand der Sonne zu ermitteln.«

Die Nacht im Mittelalter | Mittelalter entdecken
»Das Licht wurde von Gott geschaffen, die Nacht ist jedoch die Abwesenheit von Licht.« Diese einfache Formel sagt schon viel über das Verhältnis der mittelalterlichen Bevölkerung zur täglichen Verdunklung aus. Sie war Symbol des Geheimen und Bösen, sodass selbst nächtliche Arbeit als gefährlich eingestuft wurde. Andererseits bringt sie auch Kraft und Erholung. Der Blogeintrag zeigt in seinem Abriss noch einige weitere Assoziationen und Deutungen der dunkel Tageszeit auf. Und dass die Nacht inzwischen viel an ihrer damaligen Gefährlichkeit verloren hat, zeigt beispielsweise auch dieser Absatz: Er wurde um Mitternacht verfasst und fungiert mehr oder weniger als Präambel für einen nächtlichen Gassigang…

Kinderkrakel in mittelalterlichem Lehrbuch entdeckt | scinexx
Eine astronomisch-religiöse Kloster- und Lehrhandschrift von 1327 zeigt wundersame Figuren, die offenbar vor einiger Zeit von Kinderhänden dort hinein gemalt wurden.

Das hatten wir dieses Jahr auch schon:

X-rays reveal 1,300-year-old writings inside later bookbindings | The Guardian
Hin und wieder findet man in (älteren) Bucheinbänden deutlich ältere Pergamentreste, die teilweise bisher unbekannte Texte und Textteile hervorbringen – wie etwa der Parzival-Fund am Handschriftenzentrum der Universitätsbibliothek Leipzig vor zwei Jahren. Doch das sind derlei Funde vor allem dem Zufall geschuldet. Mit Röntgenstrahlen könnte man jedoch systematisch die Bücher nach entsprechenden Schriften absuchen. Einen ersten Erfolg hatten die Wissenschaftler bereits.

Jller – Industrial automation and historical geology | CreativeApplications.net  // via Nerdcore
Eine Maschine, die Steine anhand ihres Alters sortiert, dürfte nicht nur für die Geologie interessant sein.


Des Weiteren sehens- und hörenswert

»Einfach, verständlich, korrekt!« So lautet das Motto der YouTube-Videos von Rainer Leng, Professor am Institut für Geschichte an der Julius-Maximilians-Universität in Würzburg. In kurzen Vortragsvideos beschäftigt er sich mit den verschiedensten Themen, setzt aber auch Schwerpunkte, die sich über mehrere Videos hinweg erstrecken: Etwa zum mittelalterlichen Studium. Ein Vorbeischauen auf seinem Kanal lohnt sich auf jeden Fall!

// Direktlink

Die Zünfte – Von der Ächtung zur Achtung der Arbeit | Bayern 2 Wissen, 22 Minuten

Die wahren Wikinger | Explikator (Folge 464), 14 Minuten

Jonathan Riley-Smith: „Die Kreuzzüge“ – Woran das Kreuzzug-Standardwerk scheitert
| DeutschlandRadio Kultur, 7 Minuten


Wer noch etwas Silber übrig hat…

Wem gewöhnliche Kaffeezummitnehmenbecher zu langweilig erscheinen, der kann es ja einmal mit einem Kafffeezummitnehmenhörnchen versuchen. Allerdings sollte man diesen vielleicht nicht mit auf Zeitreise nehmen. Eben jene möchte kulevo Zeitreisen, ein interessant aussehendes Bildungsprojekt, ermöglichen, wofür es noch einen guten Monat lang via Crowdfunding Geld sammeln möchte.

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Kleine Übersicht zum Kinderspielzeug

Jetzt in der Vorweihnachtszeit sind wir alle ja damit beschäftigt, die (letzten) Geschenke für’s geheiligte Fest zusammenzusuchen. Es traf sich, dass ich bei der Lektüre des Buchs Alltag im Mittelalter von Ernst Schubert über das ein oder andere Spielzeug stolperte. So kam mir die Idee dieses kleinen Rundblicks. Vielleicht kommt dem Ein oder Anderen noch eine Idee, was man den Kindern beim Familienbesuch zu Weihnachten mitbringen kann. Wobei ich die Spielzeuge nur als Vorlage verstehen möchte, da mir die hygienischen Bedingungen zwischen tierischen Körperteilen und Kleinkindern nicht ganz geheuer wären… 😉

Für Säuglinge kannte man bereits Beißringe, die aus getrockneten Gänsehälsen gemacht waren. Bereits in der Antike bekamen Säuglinge auch Rasseln und Klappern. Die Rasseln wurden aus abgeschnittenen Geflügelafter gefertigt, die man zu einem Ring formte und mit ineinander gesteckten Enden trocknete. Steine sorgten im Inneren des so entstandenen Ringes für die entsprechenden Rasselgeräusche. Sogenannte Schnurrer dürften den Menschen ebenfalls viel Freude bereitet haben. Zur Herstellung wurde der (hintere) Mittelfußknochen des Schweins mit einem Loch versehen. Durch dieses wurde ein endloses Band gefädelt und die Enden in der jeweiligen Hand gehalten, sodass es aufgespannt war. Drehte man nun den Knochen in die eine Richtung, zog sich das Band zu und rotierte, sobald man es losließ bzw. strammzog, in die andere Richtung. Dabei entstanden windähnliche Geräusche.

Schon eher wäre ich da für Kegel und Würfel aus Naturmaterialien. Seit der Antike werden diese etwa aus dem Sprunggelenk des Schafes oder aus den Zehenknochen vom Rind geschnitzt. Aus einer Schweineblase konnte man nicht nur Blasinstrumente bauen, sondern auch einfache Bälle fertigen. Füllt man diese mit Erbsen, machen sie dann auch ein wunderbares Rasselgeräusch. Im Hochmittelalter erschienen schließlich kleine Keramikfiguren (etwa als Pferde), die ggf. auch bunt glasiert waren. Sie traten als Massenware auf, wie auch etwa Murmeln, die ein Nebenprodukt der Töpferei darstellten. Keramik fand auch als Puppengeschirr Verwendung. Ebenso als Kopfmaterial für die meist hölzernen Puppen der Mädchen.

Holz ist ein äußerst vielseitiger Rohstoff, sodass freilich neben Puppen und Pferdeminiaturen viele Holzspiele und -spielzeuge hergestellt wurden: In der Nord- und Ostseeregion – vereinzelt auch an Flüssen – konnte man beispielsweise schwimmfähige Holzminiaturschiffe finden. Sie waren Vereinfachungen realer Schiffe und konnten durchaus Zubehör wie etwa Messinganker oder Schiffsmasten haben. Ab dem 15. Jahrhundert sind auch Mehrmaster zu finden, wie etwa die Funde aus Lübeck zeigen. Da im Mittelalter Kinder ja noch als „kleine Erwachsene“ galten, wurde ihnen auch ein wichtiges persönliches Ausrüstungsstück zugestanden: ein Messer. Dieses war aber – angesichts der enormen Verletzungsgefahr echter Klingen eine Holzausführung. Ob Holzschwerter hingegen ausschließlich für Kinder gedacht waren, darf bezweifelt werden. Jedoch legen die unterschiedlichsten Größen mit ggf. kurzen Griffen und geringen Griffdurchmessern nahe, dass die Holzwaffen nicht nur Übungsschwerte für Erwachsene waren, sondern ein normales Spielzeug gewesen sein dürften. In höheren Kreisen konnten auch Holzdolche zur Kinderausstattung gehören.

In den höheren Kreisen konnte man sich ohnehin mehr leisten – auch für die Kinder: während in ärmeren Familien die Kinder bis zum siebten Lebensjahr mit im Bett ihrer Mutter schliefen, konnten sich Familien besserer Stände auch eine Wiege für das Kind leisten. Ebenso war dann auch Geld für kostbares Spielzeug (etwa Messing- oder Kupfertiere oder bunt bemalte Steckenpferde) vorhanden. Die allgemeine Formvielfalt ist vergleichsweise im Mittelalter aber vergleichsweise noch gering. Erst nach 1500 entwickelten sich viele fantasievolle Formen für wunderbare(re)s Spielzeug.

Quellen:
Ernst Schubert: Alltag im Mittelalter, S. 223
Doris Fischer: Mittelalter selbst erleben!, S. 82ff
Tempus vivit! Bibliothek: Spielzeug im Mittelalter

 
 

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