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Von mittelalterlichen Schriften und Gärten

19 Okt

Seit Mitte September und noch anderthalb Wochen lang sind die beiden Wanderausstellungen Im mittelalterlichen Skriptorium und Gärten im Mittelalter im Museum Petersberg bei Halle zu sehen. So sind wir letztes Wochenende nach Sachsen-Anhalt gefahren und haben die beiden Ausstellungen besucht.

Für nur drei Euro Eintritt konnten wir uns neben den zwei Sonder- auch die Dauerausstellungen anschauen, welche sich vorwiegend mit der regionalen Geschichte und dem Landleben widmeten: Schwerpunkten lagen auf dem mittelalterliche Landesbau (u.a. wurden slawische Keramik, hochmittelalterliche Brakteate und oder (nachgeahmte) Gewänder der Chorherren des Klosters Petersberg gezeigt sowie die Geschichte der mächtigen Wettiner nachgezeichnet. (Schließlich ist deren Stammburg Wettin nur ein paar Kilometer vom Museum entfernt.)), dem Handwerk um 1900 (z.B. eine eingerichtete Schusterwerkstatt, (frisch gefettete) Buchdruckmaschinen oder Korbflechterutensilien), dem Landleben zur gleichen Zeit (Viehställe, die Schlachtung, Bienenzucht, ein Backofen) und die NS- und DDR-Zeit.

Doch direkt nach dem Eingang begann erst einmal die Skriptorien-Ausstellung, in welcher Wachstäfelchen und Griffel, eine aufgespannte Tierhaut oder auch Tintenhörner zu sehen waren. Was uns auffiel, war die innerliche Zusammengehörigkeit der einzelnen Vitrinen, die auch bei den Gärten beibehalten werden sollte. So befasste sich ein „Abteil“ beispielsweise mit der Eisengallustinte, wobei es nicht versäumt wurde, auf das Problem des Tintenfraßes hinzuweisen und auch die Galläpfel an sich und ihre eigentliche „Aufgabe“ näher zu erläutern. Hildegard von BingenFreilich wurde der Aufstieg des Pergaments zusammen mit der Entwicklung von der Papyrusrolle zum gebundenen Buch nachgezeichnet, aber auch der Herstellungsprozess des Beschreibstoffes erklärt.

Wenn man über den Hof des Geländes ging und die Außentreppe hinaufstieg, gelangte man zur regional und lokalgeschichtlichen Dauerausstellung. Allerdings hatte uns die Kassenfrau zuvor schon erklärt, wo die einzelnen Ausstellungen zu finden sind. So stiegen wir erst einmal die kleine Treppe hoch und befanden uns in der Gartenausstellung. Dort begegnete uns eine (hier links zu sehende) Miniatur, die uns bereits im Skriptorium gezeigt wurde: Die Heilige Hildegard mit Wachstafeln und Griffel. Sie könnte als Bindeglied beider Ausstellungen dienen, denn sie schrieb u.a. Abhandlungen über Pflanzen und deren Wirkungen.

Einen guten Teil nahmen hier bekannte Schriften wie des Frühmittelalters ein: Der St. Gallener Klosterplan, der Hortulus des Reichenauer Abtes Walafrid Strabo oder das Landssgüterverordnung Karls des Großen (Capitulare de villis). »Damit auch das eingesäte Erdreich nicht verschwemmt wird, häufelt man es, leicht abgeschrägt, an, etwas höher als der Boden und rahmt es im Viereck mit Brettern.« Diese Empfehlung Walahfrids wird auf der entsprechenden Texttafel ebenso inhaltlich wiedergegeben, wie auch auf die Unstimmigkeit der Güterverzeichnisse Karls des Großen gegenüber dem Capitulare de villis hinsichtlich der anzupflanzenden Gewächse eingegangen wird. Die Ausstellungsmacherin Dr. Astrid Selinger geht davon aus, dass man einfach aus antiken Quellen abgeschrieben habe, jedoch nicht alle Pflanzen das kühlere Wetter nördlich der Alpen vertrügen. Es sind genau diese kleinen Anmerkungen, die beide Ausstellungen interessant machen. Es sind die Zusammenstellungen innerhalb der Vitrinen (z. B. Bäume, Heilkräuter bzw. Gemüse eines Klostergartens, Bindemittel für Codieces, Tintengrundlagen) und derlei Hinweise, dass man im Mittelalter nur die Wald-Erdbeere kannte.

Vielleicht schafft es ja noch jemand in das Museum Petersberg zu den beiden Ausstellungen – oder zumindest zur Dauerausstellung. Sowohl das Museum als auch die derzeitigen Wanderausstellungen haben einen Besuch definitiv verdient! (Wir waren in den guten zweieinhalb Stunden die zwei einzigen Besucher!)

Links:
Museum Petersberg
(Weitere) Wanderausstellungen von Dr. Alice Selinger

 

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