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Ein guot selig ior

01 Jan

Mit diesen Grußworten wohl schickten sich Nachbarn im Mittelalter ins neue Jahr. Man erkennt recht einfach die Verbindung zu unseren heutigen Wünschen nach einem gesunden bzw. frohen neuen Jahr. In der Kurzform auch einfach: Frohes Neues!

Dass sich Grußworte derartig verkürzen, ist nicht nur beim Neujahrsgruß zu beobachten. So wurde beispielsweise aus dem spätmittelalterlichen Sei gegrüßt im Namen Gottes im Laufe der Zeit ein Grüß Gott. Ebenso verflachten auch Verbschiedungen: Ab dem 14. Jahrhundert setzte sich Ade als Kurzform von Adieu durch, welches wiederrum auf Gott bewahre dich zurückging. Aus Adieu formte sich auch das beliebte Tschüss. Lebewohl kam erst im 16. Jahrhundert als Lehnsübersetzung von vale auf, welches die Humanisten verwendeten. Gehab dich wohl! ist hingegen die Verkürzung des Abschiedsgrußes, welchen Bauern öffentlich sprechen mussten, wenn sie aus ihrem Dorf wegzogen: ir herren got gesegen euch, ich will enwegk.

Der Gruß war im Mittelalter keine reine Höflichkeitsform, sondern die Bestätigung des Ansehens des Gegrüßten. Allerdings bestand dadurch auch die Gefahr, dass man dadurch auch übertriebene Selbstinszenierungen (etwa durch allgemeines Verhalten, entsprechender Kleidung, und den Einsatz von Sprache) bestätigte und anerkannte. Der Gruß war also auch eine Grundlage der Friedenssicherung, denn die Verweigerung des Grußes bedeutete offene Feindschaft – einen Angriff auf die Ehre, der (gern auch kämpferisch) beantwortet werden musste. Aus diesem Umfeld stammt auch die Geste des Handschuhwurfs, die zum Zweikampf auf Leben und Tod aufforderte.

Gesten waren für die mittelalterliche Sprache das wichtigste Hilfsmittel. Der Handschlag war im Mittelalter als Gruß noch unbekannt, tauchte jedoch als Rechtshandlung beim Treueversprechen auf. Erst ab dem 16. Jahrhundert häuften sich Handschläge – allerdings als Vertragsabschluss bei Wein- und Bierverkäufen. Willkommene Gäste begrüßte man hingegen das gesamte Mittelalter hindurch mit offenen Armen. Das sprichwörtliche Hutziehen ist als Gruß zwar ab dem 13. Jahrhundert belegt, allerdings als höfisches Zeremonieverhalten. Erst in früher Neuzeit wurde das Absetzen des Hutes zur allgemeinen Sitte. Durch das Hutziehen wurde außerdem die Rangordnung unterstrichen: Der Niedere hat den Hut zuerst zu ziehen. Aus diesem Grund sind Kirchen (von Männern) ohne Hut zu betreten.

In diesem Sinne: Ein guot selig ior!

Quellen:
Ernst Schubert: Alltag im Mittelalter
Gerhard Wagner: Schwein gehabt! Redewendungen des Mittelalters

 

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