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Kleine Übersicht zum Kinderspielzeug

14 Dez

Jetzt in der Vorweihnachtszeit sind wir alle ja damit beschäftigt, die (letzten) Geschenke für’s geheiligte Fest zusammenzusuchen. Es traf sich, dass ich bei der Lektüre des Buchs Alltag im Mittelalter von Ernst Schubert über das ein oder andere Spielzeug stolperte. So kam mir die Idee dieses kleinen Rundblicks. Vielleicht kommt dem Ein oder Anderen noch eine Idee, was man den Kindern beim Familienbesuch zu Weihnachten mitbringen kann. Wobei ich die Spielzeuge nur als Vorlage verstehen möchte, da mir die hygienischen Bedingungen zwischen tierischen Körperteilen und Kleinkindern nicht ganz geheuer wären… 😉

Für Säuglinge kannte man bereits Beißringe, die aus getrockneten Gänsehälsen gemacht waren. Bereits in der Antike bekamen Säuglinge auch Rasseln und Klappern. Die Rasseln wurden aus abgeschnittenen Geflügelafter gefertigt, die man zu einem Ring formte und mit ineinander gesteckten Enden trocknete. Steine sorgten im Inneren des so entstandenen Ringes für die entsprechenden Rasselgeräusche. Sogenannte Schnurrer dürften den Menschen ebenfalls viel Freude bereitet haben. Zur Herstellung wurde der (hintere) Mittelfußknochen des Schweins mit einem Loch versehen. Durch dieses wurde ein endloses Band gefädelt und die Enden in der jeweiligen Hand gehalten, sodass es aufgespannt war. Drehte man nun den Knochen in die eine Richtung, zog sich das Band zu und rotierte, sobald man es losließ bzw. strammzog, in die andere Richtung. Dabei entstanden windähnliche Geräusche.

Schon eher wäre ich da für Kegel und Würfel aus Naturmaterialien. Seit der Antike werden diese etwa aus dem Sprunggelenk des Schafes oder aus den Zehenknochen vom Rind geschnitzt. Aus einer Schweineblase konnte man nicht nur Blasinstrumente bauen, sondern auch einfache Bälle fertigen. Füllt man diese mit Erbsen, machen sie dann auch ein wunderbares Rasselgeräusch. Im Hochmittelalter erschienen schließlich kleine Keramikfiguren (etwa als Pferde), die ggf. auch bunt glasiert waren. Sie traten als Massenware auf, wie auch etwa Murmeln, die ein Nebenprodukt der Töpferei darstellten. Keramik fand auch als Puppengeschirr Verwendung. Ebenso als Kopfmaterial für die meist hölzernen Puppen der Mädchen.

Holz ist ein äußerst vielseitiger Rohstoff, sodass freilich neben Puppen und Pferdeminiaturen viele Holzspiele und -spielzeuge hergestellt wurden: In der Nord- und Ostseeregion – vereinzelt auch an Flüssen – konnte man beispielsweise schwimmfähige Holzminiaturschiffe finden. Sie waren Vereinfachungen realer Schiffe und konnten durchaus Zubehör wie etwa Messinganker oder Schiffsmasten haben. Ab dem 15. Jahrhundert sind auch Mehrmaster zu finden, wie etwa die Funde aus Lübeck zeigen. Da im Mittelalter Kinder ja noch als „kleine Erwachsene“ galten, wurde ihnen auch ein wichtiges persönliches Ausrüstungsstück zugestanden: ein Messer. Dieses war aber – angesichts der enormen Verletzungsgefahr echter Klingen eine Holzausführung. Ob Holzschwerter hingegen ausschließlich für Kinder gedacht waren, darf bezweifelt werden. Jedoch legen die unterschiedlichsten Größen mit ggf. kurzen Griffen und geringen Griffdurchmessern nahe, dass die Holzwaffen nicht nur Übungsschwerte für Erwachsene waren, sondern ein normales Spielzeug gewesen sein dürften. In höheren Kreisen konnten auch Holzdolche zur Kinderausstattung gehören.

In den höheren Kreisen konnte man sich ohnehin mehr leisten – auch für die Kinder: während in ärmeren Familien die Kinder bis zum siebten Lebensjahr mit im Bett ihrer Mutter schliefen, konnten sich Familien besserer Stände auch eine Wiege für das Kind leisten. Ebenso war dann auch Geld für kostbares Spielzeug (etwa Messing- oder Kupfertiere oder bunt bemalte Steckenpferde) vorhanden. Die allgemeine Formvielfalt ist vergleichsweise im Mittelalter aber vergleichsweise noch gering. Erst nach 1500 entwickelten sich viele fantasievolle Formen für wunderbare(re)s Spielzeug.

Quellen:
Ernst Schubert: Alltag im Mittelalter, S. 223
Doris Fischer: Mittelalter selbst erleben!, S. 82ff
Tempus vivit! Bibliothek: Spielzeug im Mittelalter

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